Monocromatics & mutations
In Kunst und Philosophie erscheint Mutation als eine Art Identitäts-Erzählung, als eine Demonstration der Art und Weise wie wir uns selbst konstruieren, ein Prozess, der im Dialog mit anderen stattfindet. In der Verschränkung von Zeit, Erinnerung und Raum beschreiben wir etwas Bestimmtes, kombiniert mit Ungenauigkeiten, Unterbrechungen und Widersprüchen. Monochromatische Schemata sind für ihre Subtilität und Komplexität bekannt. Die nuancierte Erkundung des Spektrums einer einzigen Farbe erscheint dem Betrachter als fokussierte Ästhetik. Monochrome Kreationen betonen die Kraft von Kontrast und Einfachheit.
In der Ausstellung wird es um subtile oder subversive Unterbrechungen der Wiederholung gehen. Oft entsteht genau dort das Potenzial menschlicher Interaktion. Monochromatisch ist der Ausgangspunkt, wie z. B. eine einzelne Farbe, ein einzelner Gedanke oder ein einzelner Ton genauso wie es ein Moment sein kann. Es ist also die Essenz, die aus dem komplexen Gewirr von vielen verschiedenen Ebenen und Verflechtungen herausgefiltert wird. Aus dieser Essenz, dem Ausgangsmoment, entstehen im Prozess des künstlerischen Arbeitens die Mutationen, die sich immer weiterentwickeln. Detailreiche, akribische und vielschichtige künstlerische Positionen werden in der Ausstellung assoziativ miteinander und mit den besonderen Räumlichkeiten des Palais in Dialog treten.
Jil Lahr (*1991 in Luxemburg) arbeitet interdisziplinär mit den Medien MUTATIONS Malerei, Skulptur und Sound – und verbindet diese zu meist raumgreifenden Installationen. Wiederkehrende Motive und Objekte in ihren Installationen sind Alltagsgegenstände, Naturalien, Verpackungen, Gefäße, Kuriositäten oder Souvenirs. Das Komische, das Bizarre oder auch das Schöne in gefundenen und übriggebliebenen Gegenständen zu erkennen, ihre Ästhetiken und Aussagen zu sehen und diese heraus zu formen und neu zu kontextualisieren, ist ein essenzieller Teil in Jil Lahrs künstlerischer Praxis. Sie schöpft aus einem stetig wachsenden, unermüdlichen Sammelsurium an Objekten, aus denen ortsbezogene Arrangements und inszenierte Settings entwachsen. Durch Akkumulation, Subtraktion aber vor allem Sakralisierung auf vermeintlich Altbekanntes, wird der Blick geschärft für das Besondere was sich in ihm verbirgt. Ihre Werke sind in zahlreichen Ausstellungen und Projekten vertreten u.a im Kunsthaus Hamburg, Kunstverein Harburger Bahnhof, ABC, Galerie Oel-Früh, Kunsthalle Ost, Bridging, Cologne, BEEK e.v – Raum für zeitbezogene Medien und Sound. Dabei reicht ihr Schaffen von Soloausstellungen über Kuration bis hin zu kollaboratier, projektbezogener Zusammenarbeit.
Corrina Goutos, geboren und aufgewachsen in New York, lebt und arbeitet heute als bildende Künstlerin in Hamburg. Ihre interdisziplinäre Praxis erforscht, welche Bedeutungen Materialien zugesprochen werden und auf welche Weise die Materialien wiederum die Wahrnehmung beeinflussen. Dabei macht sie ihre Erkenntnisse in neuen Artefakten erfahrbar. Durch Experimente mit physikalischen Prozessen, vor allem aber durch vorindustrielle Handwerkstechniken, verschmelzen organische Materialien und massenproduzierte Waren in einer beklemmend harmonischen Weise miteinander. Corrina ist als Künstlerin in Deutschland, arbeitet auch vermehrt international im Bereich der multidisziplinären bildenden Kunst. Ihre Exponate reichen von detaillierten Skulpturen in Vitrinen über Displays bis hin zu raumgreifenden Installationen. Sie lenken unsere Aufmerksamkeit auf die politische Ökologie menschlicher wie nicht-menschlicher Materialien und heben dabei die Lebendigkeit dieser Materie in unserer Gesellschaft hervor. Ihre Materialstudien, die über Gefühle und emotionale Verbundenheit sprechen, sind dabei immer auch Plattform und Ausgangspunkt für Austausch und Diskussion.
Gesa Lange (*Tongeren, Belgien) arbeitet in den Medien Zeichnung und Installation. In ihren künstlerischen Arbeiten setzt sie sich unter anderem mit Zeit, Raum und dem Moment des Wechsels von einem in einen anderen Zustand auseinander. Hierbei untersucht sie das Wesen von Flächen und Linien, genauso wie die Darstellbarkeit von Abfolgen und Räumen, in denen Erinnerungen als neu geschaffene Wirklichkeiten, jedoch ohne zeitlichen Anfang oder Ende, behauptet werden. Diese Bereiche, die zwischen Zuständen, dem Wechsel von einem Ort zu einem anderen Ort, entstehen können, entziehen sich meistens jeglicher Greifbarkeit. Die Beschaffenheit, die Gewichtung, das Zeitvolumen und das Ausmaß dieser Orte werden auf ihre existierende Gültigkeit überprüft. Hierbei interessiert sie nicht nur die Struktur, sondern der gesamte Charakter, das Wesen und die Spuren, die in den zu erfassenden Räumen eingegraben und zu entdecken sind. Das Ergebnis beinhaltet den Zerfall, die Konservierung und die Transformation. Lange zeichnet mit Bleistift, Graphit und Fäden auf Leinwand oder Papier. Die in den Arbeiten immer wiederkehrenden Raster, Muster und Ornamente dienen als Ordnungs- und Orientierungshilfe in den Gedankengängen auf dem Bildraum. Gesa Lange studierte Illustration- und Kommunikationsdesign an der HAW Hamburg und anschließend Freie Kunst an der HFBK Hamburg, an der sie ihren Master of Fine Arts absolvierte. Seit 2011 hat sie eine Professur für Zeichnung an der HAW Hamburg inne. Gesa Lange lebt und arbeitet in Hamburg.
Simon Hehemann ist ein zeitgenössischer Künstler aus Hamburg, der sich auf Rauminstallationen, Objektebilder und großformatige Collagen spezialisiert hat. In seinen installativen Raumverschachtelungen werden häufig selbstgebohrte Lochplatten verwendet, um eine räumliche Grundierung vorauszusetzen. Im Inneren eines solchen Gehäuses begegnet der Besucher diversen Modelaufbauten mit kinetischen Elementen die durch analoge und digitale Mittel in Bewegung gesetzt werden. Seine Kunst ist geprägt von der Auseinandersetzung mit Ordnungssystemen aus Natur und Geisteswissenschaften und verbinden dabei in fiktiver Korrelationen Mondphasen, Stromkreisläufe oder Wolkenformationen mit minimalistischen, oft einfachen Materialien wie Draht, Staub und natürlichen Fragmenten, die er zu komplexen, aber zarten Konstruktionen arrangiert. Diese Konstruktionen erzählen zudem auf poetische Art und Weise von den Bruchkanten und Fragmente des Lebens, ohne dabei den Pathos der Transformation zu bemühen. Stattdessen präsentiert er die Verbindung von Fragmenten als einen “gelungenen Anschluss” – eine Wiedervereinigung von zerbrochenen Teilen. Seit neuesten widmet er sich dem Thema des Turmbauens und zeigt im Pavillon für aktuelle Kunst seine ersten Arbeiten, die hierzu entstanden sind.
Alexander Pröpster erforscht in seiner künstlerischen Praxis die komplexen Verbindungen zwischen Identität, Erinnerung und Raum. Dabei gelingt es ihm, einen dokumentarischen Ansatz mit poetischen Momenten zu verknüpfen, indem er Landschaften und Protagonisten in einen vielschichtigen Dialog treten lässt. Zentral in Pröpsters Werk sind die Prozesse des Schreibens und Kartierens, die er in seiner künstlerischen Forschung als Methoden der Annäherung und Beobachtung versteht. Für ihn bedeutet Kartieren nicht nur, Räume auf Karten festzuhalten, sondern, sie auf eine neue Art zu durchdringen und zu verstehen. Mit einem geschärften Blick eröffnet er den Betrachtenden einen veränderten Zugang zur Welt, die uns umgibt. In den letzten Jahren hat sich der Künstler verstärkt der Beobachtung von Tieren gewidmet. Dabei versucht er ihre Eigenheiten zu erfassen und ihre Beziehung zu einer sich verändernden Umwelt zu verstehen. Es geht ihm nicht allein darum, Tiere oder Landschaften als ästhetische Motive darzustellen. Vielmehr entwickelt er Strategien, um den Tieren selbst Raum zu geben, ihre Präsenz sichtbar zu machen und die oft willkürlich gezogenen Trennlinien zwischen Mensch und Tier infrage zu stellen.
Mit freundlicher Unterstützung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur Schleswig-Hostein
Vernissage
Einführung Christiane Opitz
Kunstsprechstunde
Kunstsprechstunde
Kunstsprechstunde
Künstler*innengespräch
mit Jil Lahr, Corrina Goutos und Laule Meyer
Künstler*innengespräch
mit Alexander Pröpster, Gesa Lange, Simon Hehemann und Brigitta Sui Dschen Mattke
Finissage & Sommerfest
mit Live Musik von KOU und cwiejung
Podcast zur Ausstellung
ab 12/06/2025 online
Interviews mit den Künstler*innen unter:
Der lächelnde Hase
Carsten Rabe & Madeleine Lauw






