Farb. Welt. Raum. Malerei
Die Ausstellung lädt zu einer Entdeckungsreise in die Welt der Farbe ein, sie hinterfragt deren Möglichkeiten und deren Wirkung. Werke verschiedener Schaffensphasen und Techniken erwarten uns: Malerei in Aquarell, Öl und Acryl sowie Druckgrafik.
In der Ausstellung treffen wir auf Gemälde, deren geometrische und zum Teil auch komplementär angelegte Farbflächen Räumlichkeit aufbauen, je nach Farbsetzung streben sie dem Betrachter entgegen oder scheinen sich in die vermeintliche Tiefe zurückzuziehen. Uwe Paduck lädt uns ein zu einem Spiel aus Farbe und Fläche in Form von Quadraten, Rechtecken, Rastern, rahmenden Flächen und Farbkontrasten. Von annähernd Miniaturformat bis monumental bauen sich die Spielfelder vor uns an den Wänden auf. Und jetzt werden wir, die wir vor den Bildern stehen, selbst Teil dieses Spiels: Unser individuelles sinnliches Erfassen erlaubt Wahrnehmungen von Farbe weit über das bloße kognitive Sichten hinaus.
Einen spannenden Einblick geben die Grafiken der später 60er-/frühen 70er-Jahre: In den Radierungen bzw. Kaltnadelradierungen ist die Auflösung von Raum bereits angelegt. Des Weiteren treffen wir auf nordische Landschaften – mit hohem Himmel, mit in die Weite des Raumes gestreckter, erhabener Natur. Landschaften mit hohen, süßlichen Himmelsfarben von Sonnenauf- und -untergängen. Das alles mutet trefflich romantisch an, doch zum Glück verstellen uns Störer wie Satellitenschüsseln und anderes technisches Gerät den Weg des weichen Wegträumens. Auch die Kompositionen mit hohen Bäumen, Häusern, Fahrzeugen entziehen sich dem einfachen Zugriff durch Unschärfe, vermeintlich vertraute Heimat wie etwa die Hafenansicht aus Wewelsfleth löst sich jäh in Farbsplittern auf. Und schließlich lässt uns surreal anmutende Landschaftsmalerei in einem Wahrnehmungs-Schwebezustand zurück, irgendwo malerisch angelegt zwischen Wasser, Land, Spiegelungen und dann unvermittelt durchbrochen von stabähnlichen länglichen Flächen, die kein klares Unten und Oben erkennen lassen.
Schließlich betreten wir einen Raum mit kleinen Aquarellen en bloc: Malerei, vermeintlich schnell dahingeworfen, bunt, in Schichten überlagernd, begrenzend, erweiternd. Hier untersucht Paduck intuitiv mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung das Wechselspiel aus Farbe und Fläche, indem er übermalt, kontrastiert, in Beziehungen setzt. Diese Experimente in Aquarell sind für sich autonome Malerei und zugleich Keimzelle, in Teilen auch Inspiration für die größeren Gemälde aus jüngster Zeit in Acryl auf Leinwand: Farbflächen greifen ineinander – Gelb drängt nach vorne, Rot folgt langsam in dieselbe Richtung, Grün ruht, während Blau in die Tiefe des Raumes zieht und zugleich auch in uns tief eindringt, tief in uns Hall erzeugt. Uwe Paducks Malerei berührt!
Verstärkt wird die Wirkung durch die zackigen, teils stabartig durchdringenden Formen der Farbflächen. Handkes letzte Zeile des Gedichts „Lied vom Kind sein“ kommt mir in den Sinn: „Als das Kind Kind war, warf es einen Stock als Lanze gegen den Baum, und sie zittert da heute noch.“ Auf eine sehr persönliche Art hat Uwe Paduck für mich ein Gefühl des Erzählens über Farbe zum Ausdruck gebracht, das Erinnerungen erhalten und die gegenwärtige Identität aus der Vergangenheit erschaffen hat. Seine Farbwelten lassen uns eintauchen, schaffen sensibel Raum für Wahrnehmung und Reflexion.
Silke Eikermann-Moseberg M.A.
Vernissage
Künstlergespräch
mit Uwe Paduck und Brigitta Sui Dschen Mattke
Finissage und Führung
mit Silke Eikermann-Moseberg M.A.






