23/04/2023 – 16/07/2023
Bernd Wolf

LXX Retrospektive

Bernd Wolf  (* 1953 in Hofheim am Taunus; † 2010 in Berlin) studierte  Malerei und Kunsttheorie an der Städelschule  in Frankfurt am Main und Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Neben seiner Malerei hat er die Frankfurter Edition, eine Unikatbuchreihe von Künstlerbüchern, gegründet und in Kooperation mit anderen Künstlern betrieben. Seine eingehende Beschäftigung mit der Kultur und Philosophie Ostasiens, im Speziellen Japans, wie auch existenzielle Erfahrungen auf ausgedehnten Reisen in die Welt prägen seine Malerei.

Absichtslose Malerei
Das Material Kasein-Tempera auf Nessel, der Prozess absichtsloses Tun. Wolf ließ unter seinen Händen (den Pinsel benutzte er in den letzten 16 Jahren überhaupt nicht mehr) seine Bilder geschehen. Mit seinen Handflächen strich und wischte er, modulierte er die Farbe hinein, je nach Bewegung vermischte sie sich oder sie blieb stehen. Gemalt werden sie „ohne Absicht“ in einem einzigen Mal-Akt mit der bloßen Hand. Ohne Werkzeug oder Pinsel, nass in nass werden die Farben flüssig aufgetragen und miteinander in Kontakt gebracht, verrührt, verwirbelt, duchwühlt, gewalkt, verwischt, vermählt.
Alles findet seinen Platz, sein Gewicht und lädt sich mit Bedeutung auf. Aus der einzelnen Geste und ihrer vielfältigen Wiederholung entsteht ein Bild, Stück für Stück, im Idealfall wie von selbst. Auf der Suche nach dem Selbst, dem Bild. Sein Gelingen bedeutet freudiges Erstaunen.
Das sichtbare Bild entstand als Schöpfungsprozess in einem einzigen Arbeitsgang, im besten Fall wie von selbst. Um das zu erreichen, verfolgte Wolf in seinen Produktionsbedingungen einen streng konzeptionellen Ansatz. Das Wesen der Kunst war für Wolf Transzendenz. Der Übergang vom Materiellen zum Immateriellen beschäftigte ihn zusammen mit der Frage: Wann schießt der Geist in die Materie?

Es war sein Bestreben, sich während der künstlerischen Produktion als Mensch mit seinen Ideen und seinem Wollen ganz herauszunehmen und sich quasi als Werkzeug ganz dem künstlerischen Schöpfungsprozess zu überlassen. Seine absichtlose Malerei, wie er sie im Lauf seines künstlerischen Werdegangs schliesslich nur noch praktizierte, war also nur konsequent. In seinem Spätwerk arbeite er a la prima, nass in nass, in einem einzigen Malakt.

„Es ist leicht Kunst zu machen, aber es ist schwer in den Zustand zu kommen, Kunst machen zu können.“ Brancusi

Lightpaint
Analog zu seiner absichtslosen Malerei entwickelte BW eine absichtslose Fotografie. Lightpaint nannte er sein Serie von Bildern, die er ohne visuelle Kontrolle mit Entwicklerflüssigkeit auf Fotopaier malte. Jahrelang malte er geradezu rituell jeden Morgen zunächst abstrakte Formen, später Selbstportraits und Akte. Da die Entwickerflüssigkeit farblos durchsichtig, quasi unsichtbar ist, konnte er nicht sehen, was er malt. Erst im Entwicklungsprozess wurden die Bilder sichtbar und zeigten dabei auch ihre, je nach Dauer der Einwirkunsgzeit unterschiedliche Farbintensität von grau nach schwarz. Insofern wird hier auch die Zeit des Malprozesses sichtbar, mit Mitteln der Fotografie.

»dead can dance«
Die Zeichenserie „dead can dance“ wurde inspiriert von einer buddhistischen Meditationsübung über die Vergänglichkeit. Bei dieser Praxis imaginiert der Meditierende das Zerfallen seines Skelett nach dem Tod in einzelne Knochen und das Wiederzusammensetzen zu einem kompletten Körper. Die Schwierigkeit der Übung erlebte Bernd Wolf durch die erschwerte Technik.
Mit einem in eine Bohrmaschine eingespannten Graphitstift brachte er die Zeichnungen unter höchster Drehzahl der Bohrmaschine aufs Papier.

Mit freundlicher Unterstützung von Moin Bio Backwaren GmbH Glückstadt

Vernissage

So. 25/06/2023, 14:30 Uhr

Einführung: Coco Wolf-Gediehn

 

Finissage

So. 16/07/2023, 15:30 Uhr

Impressionen (Galerie)

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