INDIA 2009-2023 KONZEPTUELLE FOTOGRAFIE
Mit ihrer strengen, konsequenten und unverkennbaren Bildsprache lässt uns Anja Bohnhof den öffentlichen Raum mit neuen Augen sehen. Sie schenkt uns Perspektiven innerer Welten. Dokumentaraufnahme und realistischer Wahrheitsgehalt regen zum Nachdenken an, schaffen Raum für eigene Gedanken und Kritikpunkte hinsichtlich gesellschaftlicher Fragen, die weit über den geografischen Raum Indien hinausgehen.
Das fotografische Langzeitprojekt „Tracking Gandhi“ ist eine Reise zu den Orten, die als bedeutsame Schlüsselstationen oder Wendepunkte in Gandhis privatem und öffentlichem Leben gewertet werden können. Die Arbeit ermöglicht umfassende Einsichten in Gandhis politisches Denken und Handeln.
TYPOSPHERE, 2023
„The Revolution will be Typewritten“ heißt es in einem Manifest, das sich gegen unterschiedliche Formen digitaler Vereinnahmungen stellt. Tatsächlich erlebt auch die Schreibmaschine ein Revival, vergleichbar anderer analoger Verfahrens- und Herstellungsweisen. Was in Teilen der Welt heute als bewusste Entscheidung zur qualitativen Entschleunigung verstanden wird, ist andernorts, z.B. in Indien, weiterhin bedingt gegebene Alltagsrealität. Innerhalb dieses Spannungsfeldes zwischen Slow Media und Alltagsrealität bewegt sich die Projektrealisation, die sowohl das Objekt Schreibmaschine als auch deren Nutzer*innen in der westlichen ebenso wie in der südlichen Welt in den Blick nimmt. Die Serie „Tables“ ist ein Teil des Projektes und zeigt die Arbeitstische der Pavement Typists vom High Court in Kolkata mit den oftmals bereits seit 30 bis 40 Jahren genutzten Schreibmaschinen und Tischen, aufgenommen in einem nahegelegenen Studio vor Ort.
BOOKS FOR SALE, 2009
Unbeeindruckt von den Verkündigungen, die das Ende des gedruckten Buches im digitalen Zeitalter in schon naher Zukunft als Gewissheit betrachten, stapeln sich Druckwerke im Universitätsviertel in Kolkata zu Millionen und werden täglich von vielen ortsansässigen großen und kleinen Verlagshäusern neu produziert und auf den Markt gebracht. Aber Kolkata zeichnet sich nicht nur durch die Liebe zum Lesen aus, die Metropole ist der drittgrößte Softwareexporteur Indiens, also maßgeblich beteiligt an den Entwicklungen, die zu weltweiten Digitalisierungsprozessen in immer mehr Lebensbereichen beitragen und dauerhaft wohl auch die Existenz des Buches in seiner materiellen Form zumindest in Frage stellen. Dessen ungeachtet ist der Respekt vor dem gedruckten Buch dort äußerst präsent und offenbart sich insbesondere, wenn man die oft improvisiert anmutenden Verkaufsstände an den Straßenrändern in den Blick nimmt, architektonische Gebilde aus Büchern, die wahrlich jedem Buch der Welt einen Platz zu geben scheinen.
THE LAST DROP, 2020
„The Last Drop“ thematisiert den Wassermangel und die Rolle der Frau in diesem Kontext in ländlichen Regionen West-Bengalens, Indien. Über eine surreal anmutende Darstellung wird in pointierter Weise die Aufmerksamkeit auf ein fundamentales Problem unserer Gegenwart gelenkt.
KRISHAK, 2018
Millionen von Kleinbauern produzieren auf kleinsten Flächen den größten Teil aller Lebensmittel. Dies steht im Kontrast zur parallelen Entwicklung immer größerer, energie- und rohstoffintensiver Bewirtschaftungsformen, die weltweit durch offene Märkte und Subventionen gefördert werden. In West-Bengalen wird Reis häufig noch in manueller Arbeit geerntet. Auf den ersten Blick lässt sich hier wenig von der rasanten ökonomischen Dynamik Indiens erkennen. Eindrücklich und von bildhafter Intensität, gleichzeitig die Härte des bäuerlichen Alltags widerspiegelnd, zeigen die Fotografien ein Leben auf dem Land, das nicht nur in der Zeit stehengeblieben scheint, sondern globale Fragestellungen visualisiert: Wie kann eine zukunftsfähige Agrikultur im Spannungsfeld ökologischer und sozialer Anforderungen aussehen?
BAHAK, 2012
Bahak (Bengali für: Lastenträger), das bedeutet ein Leben als Tagelöhner am unteren Rand der Gesellschaft: Ausbeutung und harte Arbeit für geringe Entlohnung, ein täglicher und gefährlicher Kampf auf den Straßen Kolkatas, wenig Anerkennung für Kraftleistungen, die bis zur Maßlosigkeit erschöpfen können. Am Rand der Straßen habe ich für einige Wochen ein improvisiertes Studio aufgebaut und einige Lastenträger gebeten, einen kurzen Moment anzuhalten, um sie einzeln und herausgelöst aus der stets in Bewegung befindlichen, geschäftigen Masse von Menschen zu porträtieren.
DAILY CONSTRUCTIONS, 2015
Das weltweit etablierte Fernsehserienformat der Daily Soaps ist auch in Indien äußerst beliebt. Die Einrichtung der Set Constructions in den Filmstudios kann als ein Spiegel des Massengeschmacks der Mittel- und Oberschicht in Indien bewertet werden. Möbel und Dekoration haben einen referentiellen Wert und sind in einförmiger, zugespitzter Form Abbild gegenwärtiger Einrichtungs- und Lifestyletrends und geben hierüber Einblicke in Indiens Lebenswelten. In der fotografischen Arbeit Daily Constructions sind die Nachbauten als solche erkennbar. Offene Decken, Verschattungs- und Aufhellelemente, Scheinwerfer, Stative und eindimensionale Hintergründe lassen die Kulissenarchitektur offenkundig werden. 17
Vernissage
Einführung:
Silke Eikermann-Moseberg M.A., Kuratorin
Die Künstlerin ist anwesend.
Finissage und Führung mit Silke Eikermann-Moseberg
Die Künstlerin ist anwesend.






