SAFE HAVEN
SAFE HAVEN ist eine Kooperation zwischen dem Palais für aktuelle Kunst und dem europäischen Projekt The Human-Tech Nexus. Building a safe haven to cope with climate extremes (The HuT) – ein Forschungsprojekt, das europaweit regional spezifische Maßnahmen zur Vorbereitung auf Wetterextreme wie Starkregen, Stürme und Hitze mit der jeweils lokalen Bevölkerung anwenderfreundlich macht.
Das Climate Service Center Germany (GERICS), ein Institut am Helmholtz-Zentrum Hereon mit Sitz im Hamburger Chilehaus, ist Partner des europäischen Projekts und als solcher in der Region „Küstenstädte in Schleswig-Holstein“aktiv. Am GERICS entwickeln Klimaexpert:innen gemeinsam mit Sozialwissenschaftler:innen Instrumente und Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Anpassung an den Klimawandel.
Glückstadt ist in der norddeutschen Küstenregion Pilot von The HuT. Seit 2024 finden hier bereits verschiedene Veranstaltungen mit und für Bürger:innen
statt.
Mit Climate Service and Art am GERICS ist das Institut in der Wissenschaft kunst-erprobt und überzeugt, dass Kunst über die Sinne Impulse für die
Anpassung an den Klimawandel setzt. Sie ergänzt daten- und faktenbasierte Wissenschaft und ist ein unverzichtbarer Begleiter, wenn es um den gesellschaftlichen Wandel geht, den der menschengemachte Klimawandel von uns fordert.
Das Palais für aktuelle Kunst hat für SAFE HAVEN drei Künstler:innen eingeladen, deren Arbeiten sich mit den Elementen Luft, Erde und Wasser und ihren Veränderungen beschäftigen. Parallel dazu präsentieren Schüler:innen in zwei Räumen der Ausstellung ihre Arbeiten zum Thema. Ein Kommunikationsraum bietet Besucher:innen die Möglichkeit, sich über ihre persönlichen Vorstellungen von SAFE HAVEN auszutauschen und miteinander zu vernetzen.
Madeleine Dietz
Erdschollen türmen sich auf, geschichtet auf einem Stahlunterbau in Form eines Winkels, der in die Höhe strebt. Diese Erdschollen greifen die Grundform des minimalistischen Stahlbaus auf, akzentuieren und überhöhen ihn. In ihrer fesselnden Arbeit DISAPPEARS konfrontiert uns Madeleine Dietz mit Gegensätzen – allein im Material der aufgeschichteten Erde ist eine Ambivalenz angelegt zwischen Stabilität und Fragilität zugleich.
Seit Jahrzehnten ist die Landauer Bildhauerin Madeleine Dietz für ihre Skulpturen und Installationen aus Erde und Stahl bekannt. Meist nutzt sie Erde aus ihrer Pfälzer Heimat, direkt von ihrem Hof – Erde, die mit ihren warmen Brauntönen, kleinen Einschlüssen von Naturspuren, Trocknungsrissen beredt daherkommt.
Die Künstlerin spielt mit unserer Vorstellung von der Speicherfähigkeit des Materials Erde, der Fähigkeit Spuren zu sichern, Spuren zu legen. Erde steht in Beziehung zu Ursprungsmythen, sie ist Teil der Aristotelischen Philosophie zu den vier Elementen. Als Symbol für Elementarnatur hat Erde in der Kunst nichts an Aktualität eingebüßt. In der Installation ENTFESTUNG treten getrocknete Erde als Digitaldruck, Gitterelemente und diverse Stahlteile in einen Dialog – mit sich und mit uns Betrachtenden. Dietz baut mit Hilfe der Interaktion aus oberflächlicher Ästhetik und den Ideenwelten, die den Materialien innewohnen, ein Spannungsfeld auf, das irgendwo zwischen technoider Neutralität und hochgradig emotionalem Engagement angelegt scheint. Madeleine Dietz lotet die Dialektik des Materials Erde sensibel aus und bewegt sich dabei oft an der Schnittfläche von Kontrolle und Zufall, wenn sie Erde mit Wasser vermischt, formt und austrocknen lässt. Ihre minimalistischen Arbeiten lassen uns Betrachter:innen viel Raum für eigene Zugänge zum emotional geladenen „Urstoff“ Erde. Lassen Sie sich ein auf dieses interaktive Spiel im Rahmen unseres Ausstellungsprojekts SAFE HAVEN.
Siri Wirtensohn
Siri Wirtensohn ist eine in München aufgewachsene und in Hamburg lebende Künstlerin, die bildende Kunst in den Niederlanden (B.A.) und an der HFBK
Hamburg (M.A.) studiert hat. In ihrer künstlerischen Praxis erforscht sie, wie wir mit den sich konstant ändernden Bedingungen unserer Umgebung umgehen können, welche von sich wandelnden klimatischen Bedingungen, sozialen Strömungen und verschiedenartigen Begegnungen geprägt ist. Aufgrund des Klimawandels sind wir, je nach Region, immer häufiger mit Herausforderungen wie Hitzewellen, Dürren, Starkregen, Überflutungen, Stürmen etc. konfrontiert. Das betrifft das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen in zahlreichen Regionen, sowohl lokal als auch global, und Ziel ist es, sich bestmöglich anzupassen, um eine Resilienz zu entwickeln.
In der Ausstellung SAFE HAVEN im PAK zeigt Siri Wirtensohn poetisch-ästhetische Arbeiten, die sich auf metaphorische Art und Weise mit der Thematik auseinandersetzen und utopische Szenarien für sichere Orte vorschlagen. Für diese meist raumgreifenden, aber dennoch grazilen Installationen verwendet sie Objekte, die bereits Bedeutungen und Funktionen besitzen, welche jedoch transformiert, erweitert und geöffnet werden, sodass neue inhaltliche Ebenen und Assoziationen geschaffen werden. Besucher:innen sollen ermutigt werden, über eigene Ideen und mögliche Lösungsansätze für eine lebenswerte Umwelt nachzudenken.
Heiko Wommelsdorf
Nach seinem Studium der Freien Kunst an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel studierte Heiko Wommelsdorf von 2009 bis 2012 Klangskulptur und Klanginstallation bei Ulrich Eller an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Neben vielen Stipendien, unter anderem dem HAPGrieshaber-Stipendium, dem BS Projects Stipendium für Klangkunst und dem Arbeitststipendium der Stiftung Kunstfonds sowie zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland, hatte Wommelsdorf von 2014 bis 2015 einen Lehrauftrag im Bereich Klangkunst an der Muthesius Kunsthochschule. Von 2023 bis 2024 bekleidete er eine Gastprofessur im Bereich soundart an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken.
Typhon ist eine vielschichtige Figur, die sowohl in der griechischen Mythologie als auch in anderen Bereichen vorkommt. In der Mythologie ist Typhon ein mächtiges, schlangenleibiges Monster, das als Sohn von Gaia und Tartaros gilt und als Bedrohung für die olympischen Götter dargestellt wird. Außerhalb der Mythologie bezeichnet „Typhon“ auch ein Schallsignalgerät, das häufig auf Schiffen verwendet wird, sowie einen Asteroiden.
Seit 2007 arbeitet Wommelsdorf im Medium der raumbezogenen Klanginstallation. Die im Ausstellungsraum installierten Nebelhörner/ Schallsignalgeräte werden ganz langsam angeregt, um eine bevorstehende Katastrophe anzukündigen. Im Dreiklang variierende Töne der Nebelhörner untersuchen mit einem im Raum stehenden Akkord die Beschaffenheit und Reflexion der Ausstellungsräume im PaK Glückstadt.
Ein großer Teil seiner Arbeit ist die Erforschung von Räumen. Somit ist „der Raum“ ein wesentlicher Bestandteil der künstlerischen Praxis und mehr als nur ein Rahmen: Er steuert seinen architektonischen, funktionalen und historischen (Bau-)Körper mit vielen Eigenschaften bei und wird so Teil der Arbeit.
Schüler:Innenprojekt SAFE HAVEN mit Schüler:Innen des Detlefsengymnasiums Glückstadt, des Gymnasiums Brunsbüttel und der Kaiser-Karl-Schule Itzhoe
Es ist gute Tradition, Schülerinnen und Schüler in das Ausstellungsprogramm des Palais für aktuelle Kunst einzubinden. Gerade beim Zukunftsthema SAFE HAVEN war uns dies besonders wichtig. Es freut uns, dass Lehrkräfte dreier Gymnasien in Glückstadt, Itzehoe und Brunsbüttel das Thema der Ausstellung SAFE HAVEN im Unterricht aufgegriffen haben: Die Gedanken und die Beschäftigung der Schüler:innen fanden Widerhall in Modellbauten, digitalen und analogen Collagen, Objekten, Videostills, Produktdesign, einem Audioprojekt, Grafiken, Plastiken und Stop-Motion-Filmen.
Die Beiträge des Detlefsengymnasiums Glückstadt entstanden im Rahmen einer Projektwoche im Juni 2025 an fünf Tagen. An Recherche, Anfertigung und Hängung waren beteiligt: Lasse Gerbert, Hannes Freigang, Walter Kelsch, Siaband Khudoyan, Mershad Saberi, Jonas Stange und Lasse Tewes. Alle Schüler gehen in die Klasse 10b. Für das Projekt wurden sie unterstützt von Mona Schilling und Vincent Schubarth, Lehrkräfte im Kunstunterricht am Detlefsengymnasium.
Am Gymnasium Brunsbüttel beschäftigten sich die Schüler:innen des Kunstkurses im E-Jahrgang mit dem Klimawandel und Möglichkeiten, eine Resilienz gegen die Folgen zu erreichen: Gem Albert, Jara Biermann, Darian Bornhöft, Raha Cirikovic, Jonas Claßen, Nele Conrad, Sebastian Drews, Philipp Gleimius, Fenja Knorrenschild, Emily Kühn, Lasse Laursen, Louis Bennet Mecklenburg, Jakob Mohr, Mia Matovic, Tiara Pionke, Jolina Schwohn, Hanna Thode, Luisa Wehrsig, Finn Wiese und Ida Wulf. In Gruppenarbeiten wurden hier Stop-MotionFilme erarbeitet, unterstützt durch ihre Kunstlehrerin Silke Eikermann-Moseberg.
Die Werke der Kaiser-Karl-Schule in Itzehoe entstanden im Rahmen des Gestalten-Wahlpflichtkurses der 10. Klassen mit Unterstützung der Lehrkräfte Luise von Grebe und Herwig Neumeyer im zweiten Halbjahr des Schuljahres 2024/2025: Elin Becker, Lotta Behrens, Anton Behrendt, Jana Brocks, Nele Donde, Rosa Jaspert, Jenna Kühn, Smilla Mischke, Lara Pebler, Luisa von Pein, Mira Freitag, Karla Sander, Sophia Schlüter, Melissa Seher, Amrei Täschner, Ella Zimmermann.
Zur Ausstellung haben Schüler:innen der KKS im Rahmen eines Projekttages angeleitet einen Katalog zu ihren Kunstwerken entworfen. Dieser wurde um Seiten über die Schüler:innenarbeiten der anderen beiden Schulen ergänzt und liegt nun in der Ausstellung vor.
Vernissage
Einführung mit Silke Eikermann-Moseberg
Führung
mit Silke Eikermann-Moseberg
Künstler*innengespräch
mit Siri Wirtensohn, Heiko Wommelsdorf und Stephan Klos
Erdforum
ein interaktiver Dialogprozess zur Entwicklung gemeinsamer nachhaltiger Zukunftsvisionen entwickelt von der Künstlerin Shelley Sacks und der University of Trees, Oxford mit Brigitta Sui Dschen Mattke
Finissage und Künstleringespräch
mit Madeleine Dietz und Silke Eikermann-Moseberg
Impressionen (Galerie)






