PaK – Palais für aktuelle Kunst

Gebäude des Kunstverein Palais für aktuelle Kunst e. V.

Das Renaissance-Palais »Quasi non possidentes«

Das Haus ist eines der drei noch erhaltenen Stadtpalais aus der Gründungszeit der Stadt. Es wurde im Stil der holländischen Spätrenaissance in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut, worauf die sogenannten Entlastungsbögen im Mauerwerk schließen lassen; das genaue Baujahr ist nicht bekannt, liegt aber wohl zwischen 1630 und 1650.  Vor diesem Mauerwerk gliedern geputzte Kolossalpilaster das Ge-bäude in acht Fensterachsen. Ein mächtiges, regelmäßiges Walm-dach mit roten Tonpfannen unterstützt den repräsentativen Charakter des Palais’.

Der Portalaufsatz aus Sandstein wurde im Zuge der Sanierung erneuert, das Original befindet sich heute im Detlefsenmuseum. Das ovale Feld des Aufsatzes ist von Blüten und Akanthus umgeben und trägt das von zwei Lorbeerzweigen umfaßte Initial »W«, das bisher nicht entschlüsselt werden konnte. Das in den Sturz gemeißelte “Quasi non possidentes” („gleichsam nichts Besitzende“) gibt ein weiteres Rätsel auf, muss der Erbauer doch außerordentlich wohlhabend gewesen sein, eventuell ein Hinweis auf die in der Barockzeit verbreitete Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen.

Der Grundriss ist barock gegliedert; durch die Reihung der Türen entstehen die ganz besonderen Sichtachsen. Einige verfügen noch über zeitgemäße Türstürze, weitere sind mit Oberlichtern aus dem Rokoko versehen. In einigen Salons sind Reste der früheren Wandmalereien und alte Öfen erhalten.

Als erste Eigentümerin wird 1695 die Witwe des Proviantkommissars Lorenz Jessen genannt. Die Jahreszahl 1697 über dem Portal stammt wohl aus dem Jahr der Renovierung zwei Jahre später. Von 1700 bis 1752 war die Regierungskanzlei im Palais untergebracht. In der Folgezeit bewohnten das Haus hohe Vertreter von Regierung und Gerichtsbarkeit, nach Ende von Glückstadts Zugehörigkeit zu Dänemark (1867) wohlhabende Kaufleute und Unternehmer, so 1890 der Werftbesitzer und Holzhändler Hans Hermann Gehlsen, in den 1920er Jahren der Chirurg Dr. Robert Ramcke. 1953 übernahm Wäschereibesitzerin Ilse Nölke das Haus, es diente zunächst zur Unterbringung der Mitarbeiterinnen, später auch als Aktenlager. Die Wäscherei lag hinter dem noch immer bestehenden Renaisssance-Garten auf der Rückseite des Hauses.

In den 1960er Jahren wohnten hier Gastarbeiterinnen aus der Türkei, mindestens zwanzig Frauen sollen es im Parterre gewesen sein. Die Frauen brachten die alten Kachelöfen zum Glühen, um die hohen Räume zu heizen. 1985 übernahm die Stadt das Haus und nutzte es nach der Restaurierung als Wohnung für den Stadtschreiber und die sogenannte Ostpreußenstube. Pläne, eine Gastwirtschaft in den historischen Räumen einzurichten, liessen sich nicht realisieren.

Nach vorübergehender Nutzung als städtische und privat betriebene Galerie, übernahm der Glückstädter Kunstverein »Palais für aktuelle Kunst e.V.« das Gebäude zum 1. August 2000 und nutzt es seitdem für Ausstellungen und Veranstaltungen.

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